Augenbewegungen kann man beobachten. Man kann sehen, ob der Blick ruckelt, springt, ausweicht oder nicht stabil bleibt. Aber Beobachtung allein zeigt nicht immer, wie das Nervensystem auf eine Augenbewegung reagiert. In der angewandten Neurofunktion können Augenbewegungen über Indikatormuskel, unphysiologische Inhibition, Bewegungsmuster, NeuroFI und neuroathletische Test-Re-Test-Verfahren differenzierter betrachtet werden.
Okulomotorik beschreibt, wie das Nervensystem die Augen bewegt, stabilisiert und mit Gleichgewicht, Kopfbewegung, Körperwahrnehmung und Aufmerksamkeit koordiniert. Wenn diese Steuerung nicht sauber funktioniert, können Lesen, Fokuswechsel, Orientierung, Schwindel oder visuelle Belastung deutlich anstrengender werden.
Ein klassischer Sehtest misst vor allem statische Sehschärfe. Das Leben ist aber dynamisch. Beim Gehen, Treppensteigen, Autofahren oder im Sport müssen Augen, Kopf, Gleichgewicht und Körperbewegung zusammenarbeiten. Genau hier wird Blickstabilität entscheidend.
Manche Menschen fühlen sich zu Hause relativ stabil, werden aber in Supermärkten, Menschenmengen, bei Mustern, grellem Licht oder viel Bewegung im Umfeld plötzlich benommen, unsicher oder schwindelig. Das kann ein Hinweis darauf sein, dass das visuelle System mit Reizfülle und Orientierung überfordert ist.