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Nozizeptive und nicht-nozizeptive Schmerzen – warum Schmerz nur der Output des Systems ist

Neuroathletik & Neurofunktion in Vilshofen
Nozizeptive und nicht-nozizeptive Schmerzen – warum Schmerz nur der Output des Systems ist
Viele Menschen denken bei Schmerz zuerst: „Da, wo es weh tut, muss etwas kaputt sein.“ Das ist nachvollziehbar, aber nicht immer richtig. Schmerz ist nicht der Schaden selbst. Schmerz ist eine bewusste Wahrnehmung, die vom Nervensystem erzeugt wird. Die International Association for the Study of Pain (IASP) beschreibt Schmerz als unangenehme sensorische und emotionale Erfahrung, die mit tatsächlichem oder möglichem Gewebeschaden verbunden ist – oder einer solchen Erfahrung ähnelt. Gleichzeitig betont sie ausdrücklich: Schmerz und Nozizeption sind nicht dasselbe. Schmerz lässt sich nicht allein aus der Aktivität von Sinnesneuronen ableiten. Das ist entscheidend. Denn Schmerz ist ein Output. Er ist das Ergebnis einer Verarbeitung, Bewertung und Regulation im Nervensystem. Die eigentliche Störung kann lokal am schmerzenden Ort liegen – sie kann aber auch in einer Leitungsbahn, einem Organbezug, einer segmentalen Verschaltung, einer vegetativen Regulation oder einer übergeordneten Verarbeitungsebene entstehen. Genau deshalb lohnt es sich, Schmerz differenzierter zu betrachten.
Warum Schmerz nicht gleich Gewebeschaden ist
Schmerz ist ein Signal, kein einfacher Schadensbericht.

Schmerz kann durch Gewebeschaden entstehen. Aber er muss es nicht. Das ist einer der wichtigsten Punkte in der modernen Schmerzbetrachtung. Das Gewebe kann Informationen liefern: Druck, Zug, Hitze, Kälte, Entzündung, chemische Reize oder mechanische Belastung. Diese Informationen werden über Sensoren und Nervenbahnen weitergeleitet. Ob daraus Schmerz entsteht, entscheidet sich aber erst durch Verarbeitung im Nervensystem. Das erklärt, warum es Menschen mit sichtbaren strukturellen Veränderungen gibt, die kaum Schmerzen haben. Und warum andere starke Schmerzen erleben, obwohl Bildgebung oder Befunde keine klare Schädigung zeigen.

Funktionell betrachtet ist deshalb die bessere Frage nicht nur:
„Was ist kaputt?“
Sondern:
„Warum erzeugt das System diesen Schmerz-Output?“
Nozizeptive Schmerzen – wenn Gewebe Gefahr meldet
Nozizeption verarbeitet potenziell schädigende Reize.

Nozizeptive Schmerzen entstehen, wenn Gewebe tatsächlich geschädigt ist oder eine potenzielle Gewebeschädigung droht. Die IASP beschreibt nozizeptiven Schmerz als Schmerz, der durch tatsächliche oder drohende Schädigung von nicht-neuralem Gewebe entsteht und auf Aktivierung von Nozizeptoren beruht. Nozizeptoren sind hochschwellige sensorische Rezeptoren, die potenziell gewebeschädigende Reize aufnehmen und kodieren können. Typische Beispiele wären eine frische Verletzung, eine Entzündung, eine Verbrennung, eine Prellung oder eine akute mechanische Überlastung. Wichtig ist aber: Nozizeption ist zunächst nur die Verarbeitung potenziell gefährlicher Reize. Schmerz entsteht erst, wenn diese Information vom Nervensystem entsprechend bewertet wird.
Somatische Schmerzen – wenn Haut, Muskeln, Gelenke oder Faszien beteiligt sind
Somatischer Schmerz kommt aus dem Bewegungssystem und der Körperoberfläche.

Somatische nozizeptive Schmerzen entstehen aus Strukturen wie Haut, Muskeln, Sehnen, Faszien, Gelenken, Kapseln, Bändern oder Knochenhaut. Sie sind oft relativ gut lokalisierbar. Betroffene können häufig recht genau zeigen, wo es weh tut. Funktionell ist dieser Bereich besonders interessant, weil diese Gewebe voller Sensoren sind. Sie melden Dehnung, Druck, Spannung, Bewegung, Temperatur oder chemische Veränderungen. Wenn diese Informationen vom Nervensystem als bedrohlich eingestuft werden, können Schmerz, Schutzspannung oder Bewegungseinschränkung entstehen. Dabei kann der schmerzende Ort tatsächlich lokal relevant sein. Ein gereiztes Gelenk, eine empfindliche Sehne oder eine auffällige fasziale Struktur kann ein echter Ausgangspunkt sein. Aber auch hier gilt: Das Gewebe liefert Informationen – die Schmerzreaktion entsteht durch Verarbeitung.
Viszerale Schmerzen – wenn Organe beteiligt sind
Organschmerz ist oft diffuser und schwerer einzuordnen.

Viszerale Schmerzen entstehen aus inneren Organen oder deren umgebenden Geweben. Dazu gehören Organe im Brust-, Bauch- und Beckenraum. Cleveland Clinic beschreibt viszeralen Schmerz als Schmerz aus den inneren Organen, der oft dumpf, tief und ausgedehnt empfunden wird. Anders als somatische Schmerzen sind viszerale Schmerzen oft schwerer genau zu lokalisieren. Sie können diffus wirken, tief liegen oder mit vegetativen Reaktionen verbunden sein – zum Beispiel Übelkeit, Schweiß, Unruhe oder Kreislaufreaktionen. Funktionell ist hier wichtig: Organe stehen nicht isoliert. Sie sind über vegetative, segmentale und muskuläre Zusammenhänge mit dem Bewegungssystem verbunden. Deshalb kann ein viszeraler Reiz auch körperliche Spannung, Bewegungseinschränkung oder Schmerzen an anderer Stelle beeinflussen.
Übertragungsschmerz – wenn die Ursache woanders liegt als der Schmerz
Nicht jeder Schmerz zeigt auf seinen Ursprung.

Übertragungsschmerz bedeutet: Die eigentliche Störung liegt in einem Bereich, der Schmerz wird aber an anderer Stelle wahrgenommen. Cleveland Clinic beschreibt referred pain genau so: Ein Problem entsteht in einem Körperbereich, der Schmerz wird aber in einem anderen Bereich gespürt, weil Nerven Teil eines verbundenen Netzwerks sind. Das ist besonders relevant bei viszeralen Schmerzen. Ein Organ kann über segmentale Verschaltungen, Myotome, Dermatome oder viszerosomatische Reflexe Einfluss auf Muskeln, Hautbereiche oder Bewegungsmuster nehmen. Ein einfaches Prinzip dahinter: Informationen aus Organen und Körpergeweben laufen auf gemeinsamen Verarbeitungsebenen zusammen. Das Nervensystem muss daraus ein sinnvolles Bild bauen. Dabei kann es passieren, dass Schmerz nicht dort erscheint, wo der ursprüngliche Reiz entsteht.
Funktionell betrachtet ist das ein entscheidender Punkt:
Der Ort des Schmerzes ist nicht automatisch der Ort der Ursache.
Nicht-nozizeptive Schmerzen – wenn das Nervensystem selbst stärker beteiligt ist
Manchmal liegt das Problem nicht im Gewebe, sondern in Leitung oder Verarbeitung.

Nicht-nozizeptive Schmerzen sind für viele Betroffene schwerer zu verstehen. Denn hier steht nicht der klassische Gewebereiz im Vordergrund. Vielmehr können Nerven, Leitungsbahnen, vegetative Regulation oder zentrale Verarbeitung eine größere Rolle spielen. Das bedeutet nicht, dass der Schmerz weniger real ist. Im Gegenteil. Schmerz ist immer real, wenn er erlebt wird. Aber der Mechanismus dahinter kann ein anderer sein. Grob kann man hier unterscheiden zwischen:
  • neuropathischen Schmerzen
  • sympathisch beeinflussten Schmerzen
  • zentraler Sensibilisierung beziehungsweise noziplastischer Schmerzverarbeitung
Diese Begriffe überschneiden sich teilweise und werden je nach System unterschiedlich eingeteilt. Für die funktionelle Betrachtung ist entscheidend: Das Nervensystem kann Schmerz erzeugen oder aufrechterhalten, auch wenn ein lokaler Gewebeschaden nicht die ganze Erklärung liefert.
Neuropathische Schmerzen – wenn die Leitung selbst betroffen ist
Nerven können nicht nur Signale leiten, sondern selbst zum Problem werden.

Neuropathischer Schmerz entsteht durch eine Läsion oder Erkrankung des somatosensorischen Nervensystems. So definiert es die IASP. Das kann periphere Nerven betreffen, aber auch Rückenmark oder Gehirn. Typische Hinweise können Brennen, Kribbeln, elektrisierende Schmerzen, Taubheit, einschießende Schmerzen oder ausstrahlende Beschwerden sein. Beispiele sind Nervenkompressionen, Nervenirritationen, diabetische Neuropathien, Schmerzen nach Gürtelrose oder zentrale neuropathische Schmerzen nach neurologischen Erkrankungen. Für die funktionelle Betrachtung ist hier wichtig: Die Leitung selbst kann relevant sein. Ein Nerv muss nicht nur elektrische Informationen übertragen, sondern auch mechanisch gleiten, ausreichend versorgt werden und in seinem Umfeld beweglich bleiben. Engstellen, mechanische Irritationen, alte Verletzungen, Narben oder Versorgungsprobleme können dazu beitragen, dass die Leitung nicht sauber arbeitet. Dann kann Schmerz an einem Ort erscheinen, obwohl die funktionelle Störung irgendwo entlang der Leitungsbahn liegt.
Sympathisch beeinflusste Schmerzen – wenn Regulation Schmerz verstärkt
Das vegetative Nervensystem kann Schmerz mitprägen.

Schmerz ist nicht nur sensorisch. Er ist auch regulativ. Das bedeutet: Kreislauf, Gefäßspannung, Gewebedurchblutung, Schweißreaktion, Entzündungsumfeld, Muskeltonus und Stressreaktion können den Schmerz mit beeinflussen.
In manchen Schmerzmodellen wird deshalb von sympathisch aufrechterhaltenem oder sympathisch beeinflusstem Schmerz gesprochen. Gemeint ist: Das vegetative Nervensystem – besonders sympathische Aktivierung – kann eine Schmerzreaktion verstärken oder aufrechterhalten. Funktionell ist das wichtig, weil Schmerzen nicht immer nur über Muskeln, Gelenke oder Nervenbahnen verstanden werden können. Manchmal ist die Frage nach Regulation zentral: Wie gut wird ein Bereich versorgt? Wie gut funktioniert Abfluss? Wie reagiert das Gewebe auf Stress, Temperatur, Druck oder Belastung? Wie stark ist das System insgesamt aktiviert? Gerade bei anhaltenden Beschwerden kann diese vegetative Ebene eine große Rolle spielen.
Zentrale Sensibilisierung und noziplastische Schmerzverarbeitung
Wenn das Alarmsystem empfindlicher wird.

Zentrale Sensibilisierung bedeutet vereinfacht: Das Nervensystem reagiert empfindlicher auf Reize. Reize, die früher unproblematisch waren, können plötzlich unangenehm oder schmerzhaft werden. Schmerzen können sich ausbreiten, länger anhalten oder leichter ausgelöst werden. Typische Begriffe in diesem Zusammenhang sind:
  • Allodynie: Schmerz durch einen Reiz, der normalerweise nicht schmerzhaft wäre, zum Beispiel leichte Berührung.
  • Hyperalgesie: verstärkte Schmerzreaktion auf einen eigentlich schmerzhaften Reiz.
  • Schmerzüberempfindlichkeit
  • chronische Schmerzverarbeitung
  • zentrale Sensitivierung
  • noziplastischer Schmerz

Der moderne Begriff noziplastischer Schmerz beschreibt Schmerzen, die durch veränderte Nozizeption entstehen, obwohl kein klarer Gewebeschaden und keine eindeutige Läsion oder Erkrankung des somatosensorischen Nervensystems die Schmerzen ausreichend erklärt. Die IASP hat diesen mechanistischen Schmerzbegriff 2017 eingeführt. Typisch sind regionale, multifokale oder ausgebreitete Schmerzen über mehr als drei Monate, die nicht vollständig durch nozizeptive oder neuropathische Mechanismen erklärbar sind. Häufig finden sich Zeichen erhöhter Schmerzempfindlichkeit wie Allodynie oder Hyperalgesie.

Ein häufig genanntes Beispiel in diesem Bereich ist Fibromyalgie. Fibromyalgie wird in der modernen Schmerzforschung oft mit veränderter Schmerzverarbeitung, erhöhter Reizempfindlichkeit, chronischen Schmerzen, Müdigkeit, Schlafproblemen und weiteren Begleitsymptomen in Verbindung gebracht. Das bedeutet nicht, dass „nichts da“ ist. Es bedeutet vielmehr, dass das Schmerzsystem selbst sensibler und breiter reagiert.

Auch CRPS – das Complex Regional Pain Syndrome, auf Deutsch komplexes regionales Schmerzsyndrom, früher häufig Morbus Sudeck genannt – gehört in diesen Themenkomplex. CRPS ist ein komplexes Schmerzsyndrom, meist in einer Körperregion wie Arm oder Bein, oft mit starker Schmerzempfindlichkeit, Bewegungsangst, Haut-, Temperatur-, Schweiß- oder Gewebeveränderungen. Die IASP beschreibt CRPS ausdrücklich als komplexes Syndrom, bei dem viele biologische Systeme beteiligt sein können; die Diagnose beruht auf klinischen Zeichen und Symptomen.

Wichtig ist: Fibromyalgie und CRPS sind keine einfachen „Alles ist nur sensibel“-Etiketten. Beide Krankheitsbilder gehören ärztlich sauber eingeordnet. Funktionell betrachtet zeigen sie aber sehr gut, dass Schmerz nicht immer nur lokal über Gewebeschaden erklärt werden kann. Das Nervensystem, die vegetative Regulation, die Schmerzverarbeitung, Schutzreaktionen und Reizempfindlichkeit können eine zentrale Rolle spielen.
Mischformen – warum Schmerz selten nur eine Schublade ist
Schmerzmechanismen können sich überlagern.

In der Praxis passt Schmerz selten perfekt in eine einzige Kategorie. Ein Mensch kann gleichzeitig nozizeptive, neuropathische, viszerale, sympathische und zentral sensibilisierte Anteile haben. Beispiel: Eine alte Verletzung kann lokal ausgeheilt sein, aber ein Nerv reagiert mechanisch noch empfindlich. Gleichzeitig hält das vegetative Nervensystem den Bereich in erhöhter Spannung. Dazu kommt vielleicht eine zentrale Sensibilisierung durch lange Beschwerdedauer. Dann reicht es nicht, nur die schmerzende Stelle zu betrachten. Es braucht eine funktionelle Differenzierung: Welche Ebene ist gerade der stärkste Treiber? Was ist lokal? Was ist segmental? Was ist vegetativ? Was liegt in der Leitung? Was liegt in der Verarbeitung? Genau hier wird Schmerz funktionell interessant.
Schmerz als Output – was das funktionell bedeutet
Der Schmerz ist das Ergebnis, nicht automatisch die Ursache.

Wenn Schmerz als Output verstanden wird, verändert sich die Fragestellung. Dann geht es nicht nur darum, den Schmerzort zu behandeln. Es geht darum, herauszufinden, warum das Nervensystem genau diesen Output erzeugt.
Mögliche Ebenen können sein:
  • lokal am schmerzenden Ort
  • in Haut, Faszie, Muskel, Sehne, Gelenk oder Knochenhaut
  • in einem Organbezug über Myotome oder viszerosomatische Zusammenhänge
  • entlang einer Nervenleitung
  • an einer mechanischen Engstelle
  • in der Versorgung von Nerv, Rückenmark oder Gehirn
  • in segmentaler Verarbeitung im Rückenmark
  • im Hirnstamm über Schutz- und Regulationsreflexe
  • in cranialen Zu- und Abflusssystemen
  • in visuellen, vestibulären oder propriozeptiven Einflussfaktoren
  • in zentraler Sensibilisierung oder vegetativer Dysregulation

Das heißt nicht, dass immer alles beteiligt ist. Es heißt: Schmerz kann auf mehreren Ebenen entstehen, moduliert oder aufrechterhalten werden. Die funktionelle Frage lautet deshalb:
Welche Ebene verändert den Schmerz-Output?
Wie funktionelle Differenzierung aussehen kann
Nicht raten, sondern Reaktionen vergleichen.

Funktionelle Differenzierung beginnt mit einem klaren Ausgangspunkt. Das kann der Schmerz selbst sein, eine schmerzhafte Bewegung, eine eingeschränkte Beweglichkeit, eine bestimmte Haltung oder ein auffälliger Muskeltest.
Dann wird geprüft, welche Reize das System verändern.
Zum Beispiel:
  • lokale Berührung
  • Druck, Zug oder Vibration
  • Bewegung eines Gelenks
  • Muskel- oder Sehnenreiz
  • Nervenmechanik
  • Atemmuster
  • Organbezug
  • visuelle oder vestibuläre Reize
  • Kopf- oder Wirbelsäulenbewegung
  • Zu- oder Abfluss-Systeme
  • zentrale Kontakte oder funktionelle Reize
Danach folgt der Re-Test: Wird der Schmerz besser oder schlechter? Wird der Muskeltest stabiler? Verändert sich Bewegung, Gangbild, Gleichgewicht oder Spannung?
So entsteht Schritt für Schritt ein funktionelles Bild. Nicht auf Basis einer Vermutung, sondern über die Reaktion des Systems.
Wann medizinische Abklärung wichtig ist
Neue, starke oder ungewöhnliche Schmerzen gehören abgeklärt.

Funktionelle Betrachtung ersetzt keine medizinische Diagnostik. Besonders bei neuen, starken oder ungewöhnlichen Schmerzen muss zuerst abgeklärt werden, ob eine ernste Ursache dahintersteht.
Ärztlich abgeklärt werden sollten insbesondere:
  • plötzlich sehr starke Schmerzen
  • Schmerzen nach Unfall oder Sturz
  • neue Lähmungen oder Taubheitsgefühle
  • Blasen- oder Darmstörungen
  • Fieber oder deutliche Entzündungszeichen
  • unerklärlicher Gewichtsverlust
  • starke nächtliche Schmerzen
  • Brustschmerz oder Atemnot
  • neue starke Kopfschmerzen
  • neurologische Begleitsymptome
  • Verdacht auf Infektion, Tumor oder akute Organprobleme
Funktionell weiterdenken ist besonders sinnvoll, wenn akute oder strukturelle Ursachen abgeklärt sind, die Beschwerden aber weiter bestehen oder nicht ausreichend erklärt werden.
Fazit
Schmerz ist real – aber nicht immer ein Schadensbericht.

Schmerzen können nozizeptiv, viszeral, neuropathisch, sympathisch beeinflusst, zentral sensibilisiert oder gemischt sein. Der Schmerzort kann lokal relevant sein, muss aber nicht automatisch der Ursprung des Problems sein.
Der entscheidende Punkt ist: Schmerz ist ein Output des Nervensystems. Er entsteht aus Verarbeitung, Bewertung, Schutz, Regulation und Kontext.

Funktionelle Betrachtung fragt deshalb nicht nur:
„Wo tut es weh?“
Sondern:
„Welche Ebene bringt das System dazu, genau dort Schmerz zu erzeugen?“
Genau dadurch kann Schmerz differenzierter betrachtet werden – lokal, regional, segmental, organbezogen, nerval, vegetativ, cranial oder zentral.




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